Gastbeitrag von Daniela Kreissig: Wie du online „sichtbar“ wirst und dich in Szene setzt

Im Internet tummeln sich Milliarden von Menschen. Gefühlt will jeder etwas verkaufen, etwas besonders attraktives anbieten und natürlich DICH haben.
Dich als zahlenden Kunden, als Abonnent, als Mitglied oder als Fan.
 
Alleine auf Facebook waren im Jahr 2016 täglich 1,083 Milliarden Nutzer aktiv. Tendenz steigend, denn täglich kommen 500.000 neue Nutzer hinzu, was 6 neue Profile pro Sekunde sind.
 

Wie soll ein Einzelner da bloß auffallen?

Eigenmarketing
Eines vorneweg – du wirst nie bei allen bekannt sein.
 
Selbst mit dem besten Eigenmarketing ist das ein Ding der Unmöglichkeit, weil jeder Mensch verschiedenste Interessen hat. Das Ziel sollte sein, so bekannt wie möglich in einer einzigen Branche oder für eine einzelne Leistung zu werden.
 
Selbst wenn du der beste Saxophonspieler im ganzen Universum bist, werden dich lediglich die User kennen, die sich für Musik, Saxophon, Tanz oder Kunst interessieren. Da das aber ein paar Milliönchen sind, ist es durchaus sinnvoll sich bei denen einen Namen zu machen.
 

Wie kannst du dich bekannt machen?

 
Zuerst einmal solltest du dir im absolut Klaren darüber sein, für welche Leistung du stehst. Was ist deine Positionierung ? Das heißt, frage dich …
 
… welche Nische ist für dich geeignet ?
… wo bist du der Spitzenprofi?
… was können andere von dir lernen ?
… welchen Nutzen bringst du ihnen ?

 
Solange du einen Bauchladen an Angeboten vor dir her trägst und Montags Handyverträge, Dienstags Versicherungen und Mittwochs Bücher verkaufst, wird niemand in dir einen Spezialisten erkennen. Für was auch?
 
Konzentriere dich auf ein einziges Produkt, was immer es auch ist. Lies, höre und schau dir alles über dieses Produkt an und sauge die Informationen förmlich auf. Bilde dich weiter und mit immer mehr Wissen, wirst du zwangsläufig irgendwann alle Fakten dazu kennen.
 
Wenn du genau weißt, was dein Produkt ist, kommt der zweite Teil, der erst klar ausgearbeitet sein muss, bevor du dein Eigenmarketing startest.
 
Mit der gleichen Akribie, mit der du dein Produkt ausgewählt hast, solltest du auch deine Zielgruppe auswählen. Wenn du deinen Wunschkunden kennst und genau weißt, welches sein größtes Problem ist, was ihn Nachts nicht schlafen lässt, welche Sorgen und Wünsche er hat, dann kannst du sehr genau deine Marketingstrategie auf ihn ausrichten.
 
Wenn dein Wunschkunde, die frisch gebackene Mama mit 24 Jahren ist, dann solltest du ihre Sorgen und Gedanken kennen. Dann weißt du, dass eine ihrer größten Sorgen ist, ob sie alles richtig macht, ob ihr Baby nach dem Stillen richtig satt ist und ob sie es im Winter draußen richtig warm eingepackt hat und nirgends das Fingerchen rausschaut und friert. Mit diesen Themen in Blogbeiträgen, Newslettern oder auf deiner Website, holst du sie gedanklich ab und gibst ihr das Gefühl, dass du sie verstehst.
 
Es ist Zeit – und Energieverschwendung dieser Zielgruppe Partytickets verkaufen zu wollen. Es sei denn, du machst Pullerpartys, en gros. Egal, welchen hohen Aufwand du betreibst – du wirst sie nicht erreichen, da es nicht deine Zielgruppe ist und sie sich nicht verstanden fühlen. Ähnlich aussichtslos ist es, einem eingefleischten Rocker und Heavy Metall Fan, Tickets für ein Schlagerkonzert anzubieten oder einem Vegetarier ein saftiges Steak zu verkaufen.
 
Nimm dir also die Zeit und schreibe dir auf, für welches Produkt/ welche Leistung du der „Master of the Universe“ bist und ganz wichtig – WARUM bist DU es?
Design ohne Titel (10)
Was bietest du, was deine Mitbewerber nicht bieten? Jetzt mach dir die Sache aber nicht zu leicht und schreibe einfach, dass du zuverlässig und fair bist und die Kunden bei dir gut behandelt werden. Weil das sind die Basics. Das heißt, der Kunde setzt das voraus!
 
Es ist ganz normal und sollte für jeden Unternehmer selbstverständlich sein, dass er zuverlässig ist und seinen Kunden fair behandelt. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal, auch USP genannt.
 
Nehmen wir das Beispiel Auto: grundsätzlich bringt ein Auto dich von A nach B. Egal, ob Porsche oder Skoda. Was unterscheidet nun die beiden Fahrzeugmarken? Bei Porsche kauft der Kunde nicht die Fahrt von A nach B, sondern er kauft ein besonderes Fahrgefühl. Er kauft Geschwindigkeit und satten, tiefen Motorklang. Er kauft das Gefühl, etwas besonderes zu sein. Die Fähigkeit der Fahrt von A nach B ist Basic, also Voraussetzung, sonst wäre es kein Auto.
 
Gerade bei Autoverkäufern kann man das immer wieder ganz deutlich beobachten, dass die Zielgruppe ignoriert wird. Wenn ich als Frau in ein Autohaus gehe, wird mir – genauso wie einem Mann – stolz der Motor gezeigt und dessen Wahnsinnsleistung hervorgehoben. Außerdem noch die toll designten und ergonomisch geformten Sitze. Sorry, aber das sind für mich Basics. Ich setze grundsätzlich voraus, dass in einem Auto ein Motor drin ist und auch Sitze eingebaut wurden.
 
Viel interessanter ist es doch herauszufinden, was wir Frauen mit einem Auto möchten. Die Fahrt von A nach B ist auch hier wieder Basic. Was wir wollen ist Sicherheit für uns und unsere Familie, einen großen Kofferraum, wo Einkäufe, Kinderwagen und bestenfalls noch das Skateboard vom großen Sohn reinpasst. Wenn sich die Verkäufer mit unseren Sorgen und Gedanken im Alltag rund ums Auto befassen würden, könnten sie viel leichter Autos verkaufen.
 
Du hast nun deine klare Positionierung gefunden und auch deine Zielgruppe kennst du in und auswendig. Mit diesem Wissen kannst du nun mit deinem Eigenmarketing loslegen und dich dort zeigen, wo sich deine Zielgruppe aufhält.
 

Tipp 1 – Werde Mitglied in Gruppen und kommentiere Beiträge

Vorsicht! Gehe niemals in die Gruppen, um dort nur deine Werbung zu posten. Damit baust du dir ein negatives Image auf und wirst schlimmstenfalls dauerhaft gesperrt. Online Sichtbarkeit aufbauen ist kein Sprint, sondern ein Marathon, das heißt, es wird Zeit brauchen. Zeige dich in den Gruppen als Experte und beantworte die Fragen der anderen Mitglieder. Wenn du lang genug in einer Gruppe „wertvolles“ Mitglied bist, kannst du auch beim Administrator anfragen, ob du mal einen Beitrag einstellen kannst.
 
Tipp 2 – Schreibe eigene Blogbeiträge

Suche dir Multiplikatoren, also Menschen mit Reichweite. Das können Blogger sein, die deine Zielgruppe haben, aber ein anderes Produkt anbieten. Am besten ist es, wenn du das Produkt des Anbieters ergänzt. Dann bietet ihr beide gemeinsam noch mehr Mehrwert für die Kunden. Schreibe auf jeden Fall auch regelmäßig selbst Beiträge für deinen eigenen Blog.
 
Tipp 3 – Mache Videos zu deinem Thema und erstelle deinen eigenen Youtube Kanal.

Gründe eine eigene Facebook Gruppe und löse dort das Problem deiner Kunden. Du brauchst keine Angst haben, dass du dein Wissen gratis rausgibst und keiner mehr kauft. In den Weiten des www, kommt heutzutage sowieso jeder an jede beliebige Information heran, die er haben möchte.
 
Ein Beispiel: Anna, 36 Jahre hat sich für einen Marathon angemeldet und möchte nun mit dem Training beginnen. Natürlich findet sie im Internet alle Infos zu Ernährung, Trainingseinheiten und Bewegungsabläufen. Theoretisch kann sie sich ganz allein auf den Lauf vorbereiten. In der Praxis gibt es allerdings wesentlich mehr zu beachten als nur gesunde Ernährung und neue Bewegungen. Es sollte auf Vorerkrankungen geachtet werden und mit welcher Kondition Anna überhaupt loslegt. Hat sie keinen Trainer und trainiert falsch, kann es schnell zu Zerrungen, Überlastungen oder anderen schmerzhaften Zwischenfällen kommen, die Anna das Training unterbrechen lassen. Schlimmstenfalls wird sie nie den Marathon antreten. Zusammengefasst ist es für Anna also auf jeden Fall besser, wenn sie sich für ihr Vorhaben einen Trainer bucht.
 
Und genauso ist es mit deinem Wissen. Die Menschen werden es lesen und konsumieren und wer dich zur Unterstützung buchen möchte, wird dich buchen. Es wird immer Menschen geben, die meinen, alles alleine machen zu können. Dies sind aber nicht deine Kunden, also lass sie ziehen. Wer kennt sie nicht, die Videos der ambitionierten Heimwerker, die selbst die Decke tapezieren wollen und von der Leiter stürzen oder die Tapete abfällt. Sorge dich nicht um diese Menschen – es sind nicht deine Kunden.
 
Tipp 4 – Lasse professionelle Porträtfotos von dir erstellen

Erstelle eine Mailsignatur mit deinem Foto und veröffentliche auf deiner Website und in den Social Media, das gleiche Bild. Das menschliche Gehirn liebt Bilder. Wenn du gute Fotos in deinen Social Media Accounts hast, die gleichen Bilder in deiner Signatur und auf der Website, können sich deine Kontakte noch einfacher an dich erinnern.
 
Tipp 5 – Geh raus auf Netzwerkevents und lernen neue Kontakte kennen

Baue zu den Menschen Beziehungen auf und lass dich inspirieren. Oft kommen nach guten Gesprächen tolle Ideen fürs eigene Business.
 
Tipp 6 – und der wichtigste ever: Umsetzen und Spaß haben

Du kannst noch soviel über Eigenmarketing lesen, wenn du die Dinge nicht umsetzt, geschieht gar nix. Niemand wird dich kennen, keiner wird kaufen und erst recht nicht empfehlen. Zeig dich draußen und begeistere deine Fans! Hab keine Angst davor, was die anderen über dich denken. Das kannst du sowieso nicht beeinflussen und es ist auch deren Problem.
 
Also leg los und hab Spaß!
 
Deine Daniela
 
 
Autorenname: Daniela Kreissig
 
Daniela Kreissig
 
Daniela Kreissig ist Expertin für Eigenmarketing. Sie unterstützt Einzelunternehmen, mit ihrer individuellen Persönlichkeit und ihren Stärken mehr Bekanntheit und Sichtbarkeit zu bekommen. Im Januar 2017 erschien ihr Buch „Authentisch netzwerken“.

 
 

Eigenmarketing

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4 comments

  • WOW ein wirklich sehr spannend Artikel! Finde ich super das du direkt die wichtigsten Punkte aufzeigst. Genau solche Infos fehlen meist Menschen die sich selbständig machen und scheitern dann kläglich.

    Auch ich konnte durch deinen Post ein paar wichtige Infos für mich rauspicken und werde sie umsetzen. Vielen Dank dafür!

    Alles Gute und beste Grüsse

    Wolf
    MeinMasseur

  • Ein wirklich toll geschriebener Beitrag mit wertvollem Content. Die 6 Tipps sind wirklich Gold wert. Danke dafür. Viel Glück für die Zukunft und viele Grüße

    Mario
    netz-unternehmer.de

  • Hallo!
    Auch mich beschäftigt dieses Thema massiv. Ich habe vor etwa 2 Jahren als absoluter Amateur in der Branche bekommen und habe mich sehr viel mit SEO und dem „Sichtbar werden“ der eigenen Webseite beschäftigt. Deinem Artikel konnte ich weitere, nützliche Tipps entnehmen.
    Ich denke, dass es wesentlich ist, sein eigenes Netzwerk aufzubauen und nicht bloß seine eigene Sichtbarkeit im Netz in den Vordergrund zu stellen, sondern auch andere teilhaben zu lassen, verlinken oder Gastartikel zuzulassen.
    Ich beschäftige mich derzeit hauptsächlich mit Nischenseiten, habe aber auch bereits klassische Blogs ins Leben gerufen.
    Ronald

  • Liebe Daniela,
    es war für mich sehr interessant, mit Ihrer Idee kennen zu lernen. Leider, bin ich mit Ihnen nicht immer einverstanden. Eigenmarketing – klingt sehr interessant. Wenn es aber möglich wäre, gäbe es kein Beruf des Marketingexperts. Damit es selbstständig zu schaffen, soll man eine ausgezeichnete Kenntnis in diesem Bereich haben. Wenn wir über SMM sprechen, nimmt es SEHR viel Zeit, selbst der Marke fördern. Das weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung.
    LG, Sabrina