Gastartikel von Thomas Paulus: Der Weg in die Selbstständigkeit

Vorwort von Laura:
 

Hey ihr Lieben,
 

tagtäglich erreichen mich viele E-Mails mit Fragen zur Selbständigkeit, zur Kleinunternehmerregelung, zu den Rechtsformen etc.
 

Da ich, wie ihr wisst, keine Steuerberaterin bin 😀 und euch trotzdem gerne weiterhelfen möchte, habe ich einen lieben Freund um Hilfe gebeten, der ein brillianter Steuerberater ist und euch das ganze Thema etwas näher bringen möchte!
 

Ich freue mich riesig, dass er sich die Zeit dazu genommen hat und ich bin mir sicher sein Beitrag wird viele eurer Fragen lösen! Und falls nicht, hinterlasst doch einen Kommentar!
 

Aber nun genug von mir: Applaus für Thomas 🙂
 

* Für die Richtigkeit der Angaben in diesem Artikel übernehme ich keine Gewähr. Eure Fragen solltet ihr im einzelnen noch einmal mit einem Fachmann besprechen.
 
 

Was gibt es beim Weg in die Selbstständigkeit zu beachten?

 

Viele Menschen träumen davon, sich selbstständig zu machen. Doch dabei stoßen sie auf eine Menge offener Fragen.
 

Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht zum Steuerzahlen. Die Kenntnis aber häufig schon.
 

steuern

 

Wir, die Steuerkanzlei Dr. Haymann und Partner, verfügen über die entsprechenden Kenntnisse und möchten Ihnen beim Weg in die Selbstständigkeit gerne behilflich sein, indem wir auf häufig gestellte Fragen eingehen.
 

– Welche Rechtsformen sind möglich?
– Wie und wo beantrage ich mein Gewerbe?
– Welche steuerlichen Vorteile kann ich zu Beginn meiner Tätigkeit geltend machen?
– Welche Gesetze des Steuerrechts muss ich beachten?
 

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen weiterhelfen.
 

Die Gewerbeanmeldung

 

Eine Gewerbeanmeldung ist Pflichtvoraussetzung für die Ausübung eines Gewerbes und unabhängig von Einkünften oder Verdienst zu leisten. Hierbei gibt es jedoch zwei Ausnahmen.
 

Zum einen sind Freiberufler, zum anderen in der Urproduktion Tätige (Fischerei, Bergbau, L&F) nicht verpflichtet, ein Gewerbe anzumelden.
 

Die Gewerbeanmeldung leistet man beim zuständigen Gewerbeamt, welches im Folgenden die Voraussetzungen zur Aufnahme des Gewerbes prüft. Des Weiteren nimmt es die Daten des Gewerbetreibenden auf und übermittelt diese an die zuständigen Behörden (Finanzamt, IHK, statistisches Landesamt, Handelsregistergericht, Berufsgenossenschaft).
 

Zu den erforderlichen Unterlagen einer Gewerbeanmeldung zählt ein amtlicher Identitätsausweis und je nach Gewerbezweig weitere Unterlagen und Nachweise, beispielsweise Erlaubnisnachweise oder Genehmigungen, die das jeweilige Gewerbe fordert. Hierbei ist zu beachten, dass eventuelle Anträge auf Fördermittel dringend mit der Gewerbeanmeldung beim Amt abzugeben sind.
 

Die Kosten für eine Gewerbeanmeldung liegen zwischen 15€ und 60€, die Festlegung erfolgt von Stadt zu Stadt unterschiedlich.
 

Nach erfolgreicher Gewerbeanmeldung kontaktiert das Finanzamt den Gewerbetreibenden und verpflichtet diesen, ihnen weitere Daten in Form eines steuerlichen Erfassungsbogens zukommen zu lassen. Anschließend erfolgt eine Steuernummerzuweisung durch das Finanzamt.
 

Der steuerliche Erfassungsbogen fragt unter anderem nach der Form der Gewinnermittlung, Inanspruchnahme oder Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung, der Möglichkeit der
Dauerfristverlängerung sowie der Wahl der Rechtsform.
 

Im Folgenden werde ich die aufgeführten Möglichkeiten der steuerlichen Gestaltung näher erläutern.
 

Die Gewinnermittlung

 

gewinnermittlung

 

Bei der Form der Gewinnermittlung bietet sich für Steuerpflichtige, die nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßige Abschlüsse zu machen, an als Gewinn den Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben anzusetzen (sogenannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR), §4 (3) EStG).
 

Diese wird im steuerlichen Erfassungsbogen bei Zeile 135 eingetragen. Durch das Zufluss- Abflussprinzip ist die EÜR die einfachste und oft geeignetste Form der Gewinnermittlung, jedoch gilt auch hier die Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren für Unterlagen.
 

Voraussetzung für die Anwendung dieser Form der Gewinnermittlung ist, dass das Gewerbe nicht im Handelsregister eingetragen ist. Außerdem darf der Umsatz 500.000€ nicht übersteigen und der Gewinn muss niedriger sein als 100.000€.
 

Die Kleinunternehmer-Regelung

 

Im Hinblick auf die Besteuerung des Unternehmers gibt es im steuerlichen Erfassungsbogen ein Feld mit der Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen als sogenannter Kleinunternehmer besteuert zu werden (§19 Abs. 1 UStG). Dieses finden sie in Zeile 156.
 

Wenn ein Unternehmer mit seinem Unternehmen im laufenden und im vorangegangenen Kalenderjahr gewisse Grenzen nicht überschreitet, wird auf die Erhebung der Umsatzsteuer verzichtet.
 

Somit werden kleinere Unternehmen vom Verwaltungsaufwand, der mit der Umsatzsteuer verbunden ist, befreit. Bei Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung ist ein Vorsteuerabzug ausgeschlossen.
 

Hierfür sind jedoch auch gewisse Voraussetzungen zu erfüllen:

     

  1. Der Umsatz darf zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 € nicht überschritten haben und im laufenden Kalenderjahr 50.000 € voraussichtlich nicht übersteigen.
  2.  

  3. Bei neu gegründeten Unternehmen kommt es darauf an, ob der maßgebende Umsatz des ersten Kalenderjahres voraussichtlich 17.500€ nicht übersteigt. Bestehen im Gründungsjahr keine steuerbaren Umsätze, so darf der Umsatz im Folgejahr 50.000€ nicht überschreiten.

 

Jedoch ist hier Vorsicht geboten. Ein Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung ist für 5 Jahre bindend, erst dann ist ein Wechsel/Umschwenken möglich.
 

Füllt man den steuerlichen Erfassungsbogen weiter aus, so stößt man schon bald auf die Möglichkeit, eine Dauerfristverlängerung bei Umsatzsteuervoranmeldungen zu beantragen.
 

Zu beachten ist, dass bei Beantragung der Kleinunternehmerregelung keine Umsatzsteuervoranmeldungen abzugeben sind und somit auch ein Antrag auf Dauerfristverlängerung hinfällig ist.
 

Die Umsatzsteuer

 

Die Umsatzsteuer ist eine Jahressteuer. Durch die Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen wird erreicht, dass zum einen den Staat ein geringeres Zahlungsausfallrisiko trifft und er einen Zinsvorteil erlangt, zum anderen der Unternehmer seine Umsatzsteuerlast gleichmäßiger über das ganze Jahr verteilen und so Zahlungsschwierigkeiten am Anfang des Folgejahres vermeiden kann. Umgekehrt hat der Unternehmer bei Vorsteuer-Erstattungen einen Zinsvorteil.
 

Innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Neugründung eines Gewerbebetriebs hat der Unternehmer die Umsatzsteuervoranmeldung nach §18 Abs.2 S.4 UStG monatlich abzugeben.
 

Nach §18 Abs.1 S.1 UStG hat der Unternehmer bis zum 10. Tag nach Ablauf jedes Voranmeldungszeitraums eine Umsatzsteuervoranmeldung zu leisten.
 

Nimmt der Unternehmer die Möglichkeit der Dauerfristverlängerung in Anspruch, so hat er einen Monat mehr Zeit, um die Buchführung zu bearbeiten und abzuführende Beträge zu berechnen. Eine Sondervorauszahlung (1/11 der insgesamt gezahlten Umsatzsteuer-Beträge aus dem Vorjahr) ist zu leisten.
 

Bei Neugründung beträgt die Sondervorauszahlung aufgrund nicht existierender Umsatzsteuer aus dem Vorjahr 0 Euro. Diese ist wie eine Art Kaution anzusehen, die anschließend wieder mit der Vorauszahlung für den Monat Dezember verrechnet wird.
 

Die Voranmeldung ist auf elektronischem Weg über Datenfernübertragung nach Maßgabe der Steuerdaten-Übermittlungsverordnung zu leisten.
 

Die Rechtsformen
 

rechtsform

 

Des Weiteren spielt die Frage der Rechtsform eine wichtige Rolle bei der Gründung eines Unternehmens. Es gibt eine Reihe von Rechtsformen, die mit verschiedenen Anforderungen verbunden sind.
 

Allgemein wird unterschieden zwischen Einzelunternehmen, Personen- und Kapitalgesellschaften.
 

Einzelunternehmen und Personengesellschaften haben den Vorteil gegenüber Kapitalgesellschaften, dass sie mit einem deutlich geringeren Aufwand gegründet werden können und auch der Aufwand bei Buchhaltung und Steuern deutlich geringer ist.
 

Ein Vorteil einer Kapitalgesellschaft ist das beschränkte Haftungsrisiko.
 

Einzelunternehmen werden von nur einer Person geleitet, Personengesellschaften von mind. Zweien.
 

Bei beiden besteht das persönliche Haftungsrisiko der Privatpersonen.
 

Personengesellschaften sind beispielsweise die Kommanditgesellschaft (KG), die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder die Offene Handelsgesellschaft (OHG). Eine GbR kann von mindestens zwei Gesellschaftern gegründet werden. Besondere Formalitäten oder Mindestkapital sind nicht notwendig, jedoch ist ein Gesellschaftsvertrag ratsam, da alle Gesellschafter haften.
 

Wichtige Entscheidungen können in einer GbR nur nach Zustimmung von allen Geschäftsführern getroffen werden. Diese Regelung kann durch den Gesellschaftsvertrag abbedungen werden.
Eine OHG ist eine Fortentwicklung der GbR. Ein Eintrag ins Handelsregister ist Pflicht, was zur Bilanzierungspflicht führt. Durch die Aufnahme von Kommanditisten (reinen Geldgebern) wird die OHG zur Kommanditgesellschaft. Alle Gesellschafter haften auch mit ihrem Privatvermögen.
 

Im Gegensatz hierzu gibt es Kapitalgesellschaften. Wie bereits angesprochen ist die Haftung hier beschränkt. Kapitalgesellschaften besitzen eigene Rechtspersönlichkeit und somit ist der Vollhafter die GmbH als juristische Person. Somit haften Privatpersonen nur mit dem Betriebsvermögen.
 

Es gibt verschiedene Kapitalgesellschaften, so zum Beispiel die wohl bekannteste, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder die Unternehmergesellschaft (UG)(haftungsbeschränkt).
 
 

Bei der Gründung einer GmbH ist eine Stammeinlage von 25.000€ notwendig. Außerdem muss der Gesellschaftsvertrag beim Notar beurkundet, sowie ein Geschäftsführer bestellt
werden. Je nach Größe der Gesellschaft unterscheidet sich der Umfang der Offenlegung im Bundesanzeiger.
 

Eine Alternative zur GmbH stellt die Unternehmergesellschaft (UG) (haftungsbeschränkt) dar. Sie entstand im Zuge der Modernisierung des GmbH-Rechts und Bekämpfung von Missbräuchen (MoMIG) am 01. November 2008.
 

Die Mini-GmbH wurde eingeführt, nachdem viele deutsche Unternehmer eine britische Limited (Ltd.) gründeten, weil das Stammkapital in England nur einen Pfund, anstatt 25.000 Euro, wie bei der deutschen GmbH, beträgt.
 

Für die Gründung einer UG (haftungsbeschränkt) wird ein Stammkapital von lediglich einem Euro benötigt (daher auch 1€-GmbH genannt). Auf lange Sicht wird meist eine Umwandlung
in eine GmbH vollzogen.
 

Bei einer UG kommt es zu keiner vollständigen Gewinnausschüttung, hingegen werden 1⁄4 (25%) des Jahresüberschusses als Eigenkapitalrücklagen gebildet. Somit werden Gläubiger
durch die ständige Eigenkapitalerhöhung abgesichert.
 

Die Wahl der Rechtsform sowie die steuerliche Gestaltung liegen in Ihrer Hand und Sie müssen diese Entscheidungen für Ihr zukünftiges Unternehmen treffen.
Bei weiteren Fragen oder der Notwendigkeit einer ausführlichen Steuerberatung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
 

Wer die Pflicht hat Steuern zu bezahlen, der hat auch das Recht Steuern zu sparen!
 

Nach dem Motto: „Wer die Pflicht hat Steuern zu bezahlen, der hat auch das Recht Steuern zu sparen!“.
 

Thomas Paulus
Diplom-Jurist
Steuerberater

Dr. Haymann & Partner GbR
Kirchberg 48
56626 Andernach

Internet: www.steuerberater-haymann.de
E-Mail: info@steuerberater-haymann.de
 

Über Thomas Paulus

 

Thomas Paulus (1)

Thomas Paulus hier links im Bild


 

Thomas Paulus verlagerte seinen Schwerpunkt schon während seines juristischen Studiums auf das Steuer- und Bilanzrecht. Er studierte unter anderem am Institut für Steuerrecht in Köln, unter der Leitung der bekannten Steuerrechtlerin Frau. Prof. Dr. Johanna Hey. Seinen Abschluss absolvierte er mit Prädikat. Schon während des Studiums war Thomas Paulus mit der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Dr. Haymann & Partner GbR in 56626 Andernach verbunden, da er dort als Werkstudent tätig war, wodurch er sein theoretisch erworbenes Wissen umgehend in die Praxis umsetzen konnte. Nach erfolgreichem Abschluss des Steuerberaterexamens erhielt er am 01. April 2014 die Stellung als geschäftsführender Gesellschafter in der Kanzlei.
 

Seine Kanzlei sieht sich als Dienstleister für mittelständische Unternehmen aller Gesellschaftsformen und betreut Mandanten mit Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit bis hin zu Aktiengesellschaft. Das weit gefächerte Dienstleistungsspektrum sowie aktuell speziell erteilte Aufgabenstellungen finden Sie auf der Homepage der Kanzlei unter www.haymann-partner.de. Gerne können Sie die Partner (Anke Kohns, Dr. Wolfram Haymann, Thomas Paulus) persönlich kontaktieren, die Ihnen neue steuerrechtliche und betriebswirtschaftliche Lösungswege aufzeigen werden.
 

Zur Zeit sucht die renommierte und innovative Kanzlei nach weiteren Steuerfachangestellten, Bilanzbuchhaltern und/oder Steuerfachwirten (m/w). Ihre Bewerbung ist bei der Kanzlei herzlich gesehen. Natürlich können Sie sich vorab mit den Chefs telefonisch in Verbindung setzen.
 

Thomas Paulus lebt und arbeitet für seine Mandanten nach dem Motto: „Wer die Pflicht hat Steuern zu bezahlen, der hat auch das Recht Steuern zu sparen!“.
 
 

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